Es geht wieder los!

Die Schule hat wieder begonnen und für mich damit der gewohte Alltag.
Jetzt fühle ich mich wieder richtig wohl denn die Schule gibt mir eine schöne und sehr angenehme Struktur.
Natürlich habe ich mitunter auch etwas Stress wie zum Beispiel durch die Schulaufgaben und andere Leistungsnachweise aber ich habe insgesamt doch einen Halt, eine Ordnung, die mir Kraft gibt.
Jedenfalls komme ich langsam wieder rein, in den Schulalltag. Die ersten Leistungserhebungen sind geschrieben und ich habe erste Einsen kassiert. 😉

Das einzige, was ich noch nicht geschafft habe, ist, mich wieder vollständig in die Klasse einzubringen.
Wie kann man sich das vorstellen? Zum Beispiel erscheint es mir an manchen Tagen wie eine unüberwindliche Hürde, andere, also meine Klassenkameraden, ohne Grund anzusprechen, einen der Situation angepassten Witz zu machen oder mich einfach mal so zu anderen zu stellen und mit zu plaudern.
Das habe ich in sechs Wochen Ferien irgendwie wieder ein bisschen „verlernt“. Es wird nun schon eine gewisse Zeit lang dauern bis ich es geschafft habe, mit einem etwas mutigeren, „cooleren“ Gefühl, solche Situationen zu bewältigen – und Spaß dabei zu haben!
Ich habe es dieses Jahr aber einfacher, weil ich das Gefühl habe, dass die anderen mich wirklich immer mehr mögen. Ich glaube auch, dass sie versuchen mir zu helfen, mich wieder in die Klasse einzubringen. Und das ist für mich eine zusätzliche Motivation.
So sprechen mich die Jungs eh oft an, fragen gezielt nach bestimmten Dingen, grüßen mich immer sehr nett und zwar ohne, dass ich zuerst grüßen müsste.
Gut, ich muss auch sagen, dass sich auch zumeist mit fachlichen Fragen an mich gewandt wird. Aber auch hier wollen meine Klassenkameraden wirklich meine Meinung, meine Ansicht zu bestimmten Dingen, wissen und das freut mich.

Als ich vor drei Jahren an diese Schule kam, wollte ich einfach nur meine Ruhe haben: ‚Die sprechen mich nicht an und ich sie nicht!‘ Das war eben auch eindeutig meinen schlimmen Vorerfahrungen geschuldet.
Diese Einstellung jedoch war nach der siebentägigen Skifreizeit in der siebten Klasse nahezu verschwunden und ich wollte ab diesem Zeitpunkt gern dazugehören.
Dafür trainierte ich daheim Dialoge, Witze, übte Deutungen, Interpretationen und Smalltalk. Gut, das trainiere ich auch heute noch. 😉 Warum zum Beispiel ist derselbe Witz in der einen Situation total lustig für die Menschen und in der anderen Situation lacht über denselben Witz niemand? Das versteh ich einfach nicht.
Ich bin auch dem Geheimnis des Zusammenstehens in Plaudergruppen noch nicht wirklich näher gekommen. Alles, worüber die Jungs (und manchmal auch Mädels) dann quatschen und lachen, das versteh ich vom Sinn her nicht: Es hat für mich einfach keinerlei Sinn. Ich finde dabei nichts komisch oder zum Lachen.
Aber solche Plaudergruppen sind irgendwie wichtig um „dazuzugehören“, so mein Eindruck.
Naja, ich stelle mich meist zu einer solchen Gruppe dazu und höre zu und beobachte. Und ich werde von den anderen immer öfter mit einbezogen ins Gespräch. Gut, ich gebe dann leider irgendwie immer solche Antworten, die jedes weitere Geplaudere im Keim abwürgen 😉 aber ich übe ja noch… 🙂

Insgesamt habe ich schon das Gefühl: Ich habe es geschafft dazuzugehören.

Bei diesem Prozess ist es schon auch passiert, dass ich ab und an wieder ein bisschen zurückgeworfen wurde aber das gehört vielleicht zum Leben dazu:
In gemischter Erinnerung ist mir in dem Zusammenhang noch der Klassenwechsel von der siebten zu achten Klasse:
Ich wurde aufgrund der Zweigwahl mit neuen Kindern zusammen gewürfelt. Ich habe noch deutlich die Kennlernfreizeit am Anfang der achten vor Augen… Denn die war eine Katastrophe, zumindest am Anfang.
Am ersten Tag wurde ich aufgrund meines zurückgezogenen und manchmal auch eigentümlichen Verhaltens provoziert (ich wollte als Lagerfeuer mein eigenes kleines Feuer haben), bis ich schließlich zusammenbrach.
Es wurden dann schon gleich mal alle Kinder über mich und Autismus aufgeklärt. Trotzdem hat dieses Ereignis mich zurückgeworfen.
Ich fing also gefühlt von vorne an mit meiner „Selbstintegrationsarbeit“.
Doch mein Fachwissen, meine Freundlichkeit und meine Ehrlichkeit haben aber letztlich, wie ich glaube, bewirkt, dass man mein „komisches“ Verhalten vergessen hat oder als zwar gegeben aber „nicht weiter tragisch“ hinnimmt und sonst eher mein derzeitiges „Ich“ sieht.
Zudem war ich eine sehr lange Zeit in Einzel-Therapie und habe dort, was mein soziales Verhalten angeht, einen riesigen Schritt nach vorn gemacht.
Und große Schritte mache ich seitdem dauernd. 🙂
Doch trotzdem bin ich immer noch nicht soweit, dass ich mit den anderen mithalten könnte, was zum Beispiel die oben schon beschriebene Art der Interaktion in der Gruppe betrifft.
Aber ich ahne ein bisschen, dass ich es wohl nie so ganz schaffen werde, „normal“ zu sein.
Aber das muss ich vielleicht auch nicht.
Denn ich denke mittlerweile, dass es reicht, wenn ich mich ein gewisses Maß anpasse und hoffe, dass man mich dann so akzeptiert wie ich bin.
Und das ist in meiner Klasse zum Glück kein Problem. Ich bin beliebt und man redet mit mir. Das ist das, was ich erreicht habe und was ich brauche und auf dem aufbauend schaffe ich es sicher auch bald wieder Witze zu machen, die alle vom Sockel hauen. 😉
Adrian

3 Gedanken zu „Es geht wieder los!

  1. Hallo Adrian. Auch mir hat die Schule immer eine gute Struktur gegeben und bei der Arbeit ist es genau so. Das mit dem dazu gehören ist bei mir gleich. Ich gehöre in der Arbeit zwar dazu, mir werden auch meist nur fachliche Fragen, die für die Arbeit wichtig sind, gestellt. Ich plaudere zwar mit, aber manchmal reden sie über Dinge, die ich nicht verstehe oder nicht mag. Ich rede am liebsten über meine Spezialinteressen. Trotzdem versteh ich mich mit meinen beiden Arbeitskollegen gut.

    Ich wünsche dir ein gutes Schuljahr!

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