Eine Feld-, Wald- und Wiesenblume (inspiriert durch den Deutschunterricht!)

Im Deutschunterricht haben wir das Gedicht „Es ist alles eitel“ von Andreas Gryphius durchgenommen.
Und nachdem ich das Gedicht endlich verstanden habe, was eine Weile gedauert hat 😉 weil es recht „barock“ geschrieben ist, ging mir die eine Zeile nicht mehr aus dem Kopf:

„Als schlechte Nichtigkeit / als Schatten / Staub vnd Wind;
Als eine Wiesen-Blum / die man nicht wider find’t.
Noch wil was ewig ist kein einig Mensch betrachten!“

Und dann hab ich mir die Wiesenblume als Menschen vorgestellt.
Denn wenn man mal durch eine Stadt geht, zum Beispiel am Wochenende, ist es sehr voll. Man sieht eine Menge Menschen. Selbst wenn man sich einen Menschen aus dieser Menge aussuchen würde, würde auch er in der Menge wieder „verschwinden“. Man würde ihn nicht wiedererkennen. So, das war mein Anfangsgedanke.

Aber irgendwie wurde aus diesem Gedanken während des Schreibens meines Textes dann ganz was anderes, was mir aber auch gefällt. 🙂

Aber lest mal selbst:

Eine Feld-, Wald- und Wiesenblume

Eine Blume auf einem Feld.
Sie steht da, sie wiegt sich sanft im Wind, umgeben von hundert, tausend anderen.
Es ist einfach eine Blume, eine Blume wie jede andere auch. Sie wirkt so unbeschwert, wie sie da so steht und im Wind leicht schwankt.

Doch der Schein trügt:
Denn als normale, einfache und schlichte Wiesenblume ist das Leben schwer.
Wird man nicht im Sturm weggeweht oder verdurstet man nicht in der Sommerhitze dann wird man vielleicht einfach plattgetrampelt oder noch schlimmer, gar gefressen.
Vielleicht wird man aber auch einfach nur weggemäht.
Es kann einer Wiesenblume auch passieren, dass sie gepflückt wird. Sie landet dann in irgendeiner Vase und leidet ohne den geliebten Wind vor sich hin. Unfähig, irgendetwas dagegen zu tun.

Das Leben ist hart, so als einfache Feld-, Wald- und Wiesenblume.

Leichter haben es da auf jeden Fall die Tulpen und die Rosen! Ja sogar die Veilchen und die Stiefmütterchen leben komfortabler als die Wiesenblumen.
Sie werden zwar auch mitunter von Schädlingen geplagt.
Aber die werden für sie vertrieben.
Auch sie stehen manchmal frierend in Wind und Wetter. Doch sie werden stabilisiert.
Und sie bekommen im Sommer extra Wasser gereicht damit sie nicht vertrocknen.
Um diese privilegierten Blumen, die Tulpen, Rosen, Veilchen, kümmert man sich liebevoll.

Manchmal spricht sogar jemand mit ihnen.
Sie führen ein gutes Leben!

Aber mit den schlichten, unscheinbaren, so gar nicht besonders aussehenden Blumen am Wegesrand, auf der Wiese, am Feldrain, redet niemand.
Meist werden sie nicht einmal entdeckt.
In heißen Sommern gar Wasser gereicht bekommen? Pusteblume.
Das Leben ist schon hart. Als Löwenzahn, als Zichorie, als Klatschmohn am Ackerrand, als welke Blume.
Sie sind einfach da, bilden den gefälligen aber nie bemerkten bunten Rand der Wiesen und Felder.
Vergehen sie, kommt, ohne Trauer um sie, eine neue nach. Ein unbemerktes Kommen und Gehen…

Wie wunderbar muss da doch das Leben der Schönen sein?
Wenn eine solche Blume geht, wissen es alle! Alle beklagen den Verlust.
In den Reihen der ¨Besonderen¨ ist eine Lücke, die sofort bemerkt wird – und dann bekommt eine neue Zierdeblume ihren Platz, den Platz derjenigen, die nicht mehr ist oder derjenigen, die nicht mehr Zierde genug war…
Ein Kommen und Gehen… auch hier…

Aber immer kommt eine Rose für eine Rose.
Eine Tulpe für eine Tulpe.
Eine Lilie für eine Lilie.

Einen Löwenzahn aber wird man dort nie finden.

Doch worin unterscheiden sich Rose und Löwenzahn  – außer im Aussehen?