Das ging mir heute durch den Kopf: Alte Ängste, Dauerängste, Sorgen aber auch Erfolg

Wann immer ich einen Witz vor einer Gruppe mache, wann immer ich etwas sage, wann immer alle Augen auf mich gerichtet sind, kommen Erinnerungen an meine alte Schule hervor, von der ich wegen Mobbings gegangen bin.
Es ist wie ein kurzes aber schmerzhaftes Stechen im Kopf.
Ganz kurz nur. Aber die Unsicherheit hatte Zeit um sich in meinen Kopf zu schleichen.

Als ich am alten Gymnasium war, haben sich meine Mitschüler über mich lustig gemacht, egal was ich getan habe. Ignorieren half nichts und weil von Seiten der Lehrer keine Hilfe kam, musste ich es ertragen.

Ich habe immer überlegt, was Leute damit meinen, wenn sie sagen.¨ Ich kann das nicht. Schon wenn ich es höre, dreht sich mir der Magen um!¨
Jetzt weiß ich es.

Wenn meine jetzigen Klassenkameraden heute mal laut aufstöhnen, wenn ich etwas falsch gemacht habe, wie sie es aber bei jedem machen, spüre ich sofort diesen altbekannten Stich.
Und die Bilder, die Angst und die Unsicherheit sind da.
Die Bilder verschwinden dann schnell wieder denn ich weiß ja vom Kopf her, dass ich nicht mehr im alten Gymnasium bin. Die Angst und die Unsicherheit aber gehen nicht.

Mein Verstand sagt mir, dass das nicht bös gemeint war. Und ich weiß, dass sie das wirklich bei jedem machen. Aber meinem Gefühl kann ich das nicht erklären, weil die Unsicherheit da ist.
Meine Mutter weiß ja darum und hat mir empfohlen, kontraphobisch zu handeln. Also um meine Angst vor etwas zu überwinden, sollte ich genau das tun wovor ich Angst habe.  Und genau das mache ich Tag für Tag. Es hilft schon!
Wann immer ich also etwas sage oder einen Witz erzähle, gehe ich ein Risiko ein. Das Risiko, dass alle lachen oder, wenn mein Witz nicht lustig ist, keiner lacht bzw. man genervt schaut.
Wenn ich mal mit meiner Einschätzung oder Hoffnung daneben lag, ich wäge nämlich vor jeder Handlung immer ab ob ich ein Risiko eingehe oder nicht, dann ist das ein scheußliches Gefühl im Bauch.
Ich fühle dann eine seltsame Leere. Und im Kopf ist dann auch diese Unsicherheit. Außerdem habe ich das Gefühl, alle schauen mich an.
Ich glaube, es trifft es am besten wenn ich sage, dass ich in dem Moment am liebsten im Boden versinken will.
Ich sitze still da und könnte mich ohrfeigen weil ich dies oder jenes jetzt gesagt habe.
Ja und dann beginne ich mein Verhalten zu ändern, wie zum Beispiel den Witz aus dem Sortiment zu nehmen und sage erst mal nichts mehr.
Danach analysiere ich die Situation.
Und im Hinterkopf habe ich immer noch die ganze Zeit den Gedanken:¨ Jetzt hast du es versaut!¨
Es ist eine schon fast panische Angst.

Ich bin mit mir selbst im Zwiespalt. Mein Verstand sagt mir:¨ Kann doch mal passieren!¨ Denn es ist ja so, es ist normal, dass man nicht mit jeder Aussage, mit jedem Kommentar, mit jedem Witz einen Treffer landet. Mein Kopf weiß das.
Aber mein altes Angst-Gefühl, dieser Fiesling, meldet mir, dass jetzt alles vorbei ist.
Und mein Gefühl beeinflusst irgendwie meine Gedanken, meinen Kopf.
Natürlich ist es nach einigen Minutenoder vorbei. Aber dennoch ist sie eben immer noch kurz da: Die alte Angst.
Selbstverständlich lasse ich es mir nicht nehmen, weiterhin einen Witz zu machen. Vor allem nicht wegen so etwas Unlogischem wie Gefühlen.

Aber ich gehe jeden Tag bewusst dieses ¨Risiko¨ ein.
Das kostet aber auch Kraft. Das Überwinden und das Aufbringen der Motivation, jetzt den Mund auf zu machen, jetzt etwas zu sagen und damit alle Augen auf sich zu ziehen… Das kostet Kraft!
Noch mehr Kraft kostet es mich dann wenn ich falsch lag.

Aber ich muss auch sagen das Risiko ist es mir eigentlich schon immer wert. Denn wenn der Witz gut ankommt und jemand lacht oder lächelt dann gibt mir das gewaltig viel Kraft! 🙂 Und Mut. 🙂 Mut, weiterzumachen, Mut, mich weiter einzubringen in eine Gruppe oder in ein Gespräch. Denn das Dazugehörenwollen und das auch zu schaffen, das Ziel hab ich noch nicht aufgegeben.

Ich weiß mittlerweile, dass es wohl vielen Autisten so geht. Dass sie Angst haben, sich zu blamieren.
Ausgelacht zu werden.
Die Angst habe ich auch, immer, bei allem was ich sage: Ein Witz, ein Kommentar, eine Meldung, ein Redebeitrag.

Doch wie gesagt, ich handle einfach kontraphobisch. (Ich find das Wort einfach cool, ich mag es! 😉 )
Und das ¨Risiko¨ ist es mir wert.

Wie geht es euch mit solchen Ängsten?
Traut ihr euch eher in den Mittelpunkt oder vermeidet ihr solche Situationen?

Liebe Grüße!
Adrian