Schule und Erinnerungen

So, hier bin ich wieder!

Wegen des Schulbeginns in der letzten Woche hat es nun eine Weile gedauert aber jetzt schreibe ich endlich weiter.

Ich habe mich ja eigentlich schon seit Beginn der Ferien wieder auf die Schule gefreut denn ich bin jetzt in der 10. Klasse und damit Oberstufe.

Ja, nur noch zwei Jahre dann habe ich mein Abi…

Das neue Jahr hat also begonnen.

Ich verbinde ein neues Schuljahr immer mit so etwas wie einer Geburt: Alles ist neu und unbenutzt, das ganze Schuljahr liegt noch vor einem.

Aber immer wenn etwas Neues beginnt, denke ich auch an etwas Vergangenes. In dem Fall denke ich an meine vergangenen Schuljahre. Da gab es schöne und lustige aber auch traurige und schreckliche Momente.

An einigen dieser Momente möchte ich euch heute teilhaben lassen.
Beginne ich mit den unschönen Erinnerungen, denn das Beste kommt immer zum Schluss. 🙂

Ich denke zurück, es war die erste Klasse, ich war gerade eingeschult worden.

Am Anfang gab es natürlich wie überall im Leben spezielle Regeln: Zum Beispiel mussten wir uns am Ende der Hofpause auf dem Schulhof immer an einen bestimmten Baum anstellen und dort gemeinsam auf unsere Lehrerin warten und mit ihr zusammen wieder zum Klassenzimmer gehen.

So, nun waren wir aber alle noch kleine Kinder und da ist es vielen Kindern noch wichtig, dass man Erster ist. Mir war das am Anfang eher egal. Doch ich war unbeliebt, galt als uncool weil ich keinen Fußball mochte, keine Witze verstand und mich als Autist für die anderen manchmal merkwürdig verhielt.

Nun wollte ich aber nicht mein Leben lang allein und ein Außenseiter sein. Ich hatte nie jemanden, mit dem ich reden konnte, der mir, außer meinen Eltern und Freunden der Familie, zuhörte. Es fühlte sich so leer in mir an, so allein. Ich fühlte mich einsam, ohne jemandem zum Festhalten.

Ich kam also zu dem Schluss, dass, wenn ich vielleicht auch mal als Erster am Baum stehe, ich vielleicht auch ein bisschen mehr Achtung und Anerkennung bekomme.

Doch der Schuss ging nach hinten los:
Ich stand als Erster am Baum aber statt mich zu bewundern, fingen alle Jungs an, mindestens zehn waren es, mich zu schubsen und zu schlagen.
Ich wusste nicht was ich machen sollte und schlug zurück und brüllte, dass ich doch einfach nur der Erste gewesen war.
Das Ende vom Lied war, dass ich mich, wie immer,  ganz hinten, weit weg vom Baum wiederfand und weinte.
Der Kommentar der Lehrerin war, dass ich mich wegen eines Platzes nicht so aufregen soll…

So war das so ziemlich immer wenn ich versuchte mich einzugliedern.

Und niemand aus der Schule hat mir geholfen. Wirklich niemand.
Niemand verstand, was ich eigentlich wollte: Nicht mehr immer alleinsein.
Mal lieb mit jemandem reden können.
Mal lieb von jemandem angesprochen werden.
Ich war nie laut oder so.
Ich habe niemals jemanden angegriffen oder provoziert.
Aber ich war allein.

Das zweite Erlebnis schlimmer Natur, von dem ich erzählen möchte, passierte in der 6. Klasse am Gymnasium:
Hier wurde ich, wie in den ersten Jahren der Grundschulzeit auch, pausenlos geärgert.
Am schlimmsten war der Kunstunterricht, dabei war die Lehrerin ganz nett zu mir. Das hat mir letztendlich aber nicht geholfen.

Jedenfalls saß ich mal wieder in der Doppelstunde Kunst. Die Aufgabe bestand darin, eine Erfindung zu zeichnen. Ich wählte dafür einen sich selbst befeuernden Ofen.
In dieser Doppelstunde rempelten etwa fünf Jungs abwechselnd aller paar Minuten an meinen Tisch, sodass er wackelte, meine Blätter und Stifte verrutschten und ich mich ständig vermalte.
Von hinten bewarfen sie mich, wie auch schon so oft, mit dreckigen Taschentüchern, zusammengeknülltem Papier und anderem Dreck.
Ich habe sie mehrfach, erst leise, später laut und verärgert, gebeten, mich in Ruhe zu lassen.
Aber nichts passierte.
Sie lachten, machten weiter und fragten höchstens: „Ja, was ist denn?“ oder „Was denn…?“ und lachten wieder.
Die Lehrerin machte gar nichts.
Die Jungs stießen weiter permanent an meinen Tisch, lachten und es ging immer weiter. Die ganze Doppelstunde über.
Als ganz schlimm empfand ich das gemeine Lachen.
Ich fühlte mich durch dieses Lachen schwach und machtlos und noch mehr allein als sonst.

Diese Doppelstunde gibt wieder, was ich fast täglich am diesem Gymnasium erlebte:
Ich, der Seltsame, der Fußball immer noch nicht mochte, sich im Sportunterricht nur komisch bewegte (es war mir zu voll, laut, chaotisch, ich wusste nicht wirklich, was ich gerade tun sollte), in den Pausen auf dem Schulhof am liebsten allein vor mich hinlief, ich galt eben als uncool und komisch. So einer gehörte nicht zu den „anderen“.

Und so kam immer öfter die Aussage von meinen Mitschülern:
„So ein Spasti wie Du hat auf dem Gymnasium nichts verloren!“
„Ey, Du Spasti, was willst’n Du auf dem Gym?“
„Du bist eben komisch, dann wirst Du eben geärgert, ist doch normal!“

Und dieses Erlebnis war noch nicht einmal das Schlimmste, was ich dort erlebte. 🙁

Zum Glück war diese überwiegend schlimme Zeit nach diesem Schuljahr vorbei und für mich begann ein Neuanfang:
In einer neuen Schule, in einer neuen Klasse und mit vielen neuen Erkenntnissen! 🙂

Und damit kommen wir zu einem schönen Erlebnis meines Schullebens. 🙂

Das 7. Schuljahr befand sich im 2. Halbjahr und ich wurde von meinen Klassenkameraden zunehmend angenommen und akzeptiert.
Das lag vor allem daran, dass gleich zu Beginn des Schuljahres eine große Aufklärung der Klasse und der Lehrer durch die Schulpsychologin über Autismus stattfand.
Das war sehr wichtig! Denn sonst hätten mich viele sicher auch nicht verstanden oder verstehen können:
Warum niemand meinen Tisch anfassen sollte, dass ich grad zu Beginn gern allein sitzen wollte, dass ich bei starker Lautstärke sehr schlimmes Kopfweh bekomme und kurz rausgehen muss, dass ich manchmal mit dem Stuhl kipple, dass ich auch manchmal einfach Sätze scheinbar sinnlos wiederhole…
Denn das alles kann auf andere schon seltsam wirken.

Einmal, es war gerade in der großen Pause, die Jungs waren im Pausenhof, die Mädels oben im Klassenzimmer, wie ich auch, sagte eine Klassenkameradin mitten in einer Unterhaltung zu mir:
„Adrian, ich mag dich!“  🙂

Diesen Moment habe ich mir für immer gemerkt! Nur der Satz „Ich mag dich“.

Er bedeutete und bedeutet mir sehr, sehr viel.

Nicht weil dieser Satz etwas mit Liebe zu tun hatte sondern weil er für mich das Zeichen war, dass ich endlich an der neuen Schule, in meiner neuen Klasse angekommen war.

Und ich wurde nicht nur akzeptiert und angenommen sondern werde sogar wirklich gemocht!
Ich hatte jetzt das Gefühl, mein Leben hatte sich wieder eingerenkt.

Das ist sehr kurz beschrieben, ich weiß, aber sie, diese Erinnerung, hat bis heute eine große und wichtige Bedeutung für mich:
Jemand mag mich (jemand, der nicht aus meiner Familie ist 😉 ) und sagt mir das auch so lieb!

Mein Leben war vor dem Schulwechsel aus meiner Sicht zerstört und ich hatte so viel verloren von meinem Selbstbewusstsein, meinem Selbstvertrauen.

Nach diesem Satz „Adrian, ich mag dich!“ hat sich in mir alles verändert.
Dieser Satz hat mich vollständig wiederaufgebaut und repariert.
Und auf diesem wieder reparierten Fundament baue ich bis heute auf.

Es folgten an meiner jetzigen Schule noch viele weitere schöne Momente.

Mittlerweile bin ich ein fester Bestandteil der Klasse geworden, der sogar zwei Freunde hat, etwas mit ihnen unternimmt und einfach glücklich ist.

Ja, solche und ähnliche Erinnerungen geistern gerade zum Schulbeginn durch meinen Kopf.
Ich genieße es, meine eigene gute Entwicklung sozusagen an mir vorüberziehen zu sehen.

Was habt ihr für Schulerinnerungen?
Ich bin sehr gespannt!

Adrian

Hallo zusammen!
Tja, eigentlich hatte ich ja heute vor, einen neuen Eintrag in meinen Blog zu schreiben. Aber meine Mutter und mein Bruder hatten netterweise spontan die gute Idee, unseren Keller auf- und umzuräumen… Und weil ich nunmal der Größte und Stärkste in der Familie bin, 😉 heißt es für mich Mitanpacken. Aber keine Bange, der nächste Eintrag wird kommen.

Adrian

Eine ganze Woche voller Formeln, Zahlen und Einzelteile

Hallo Leute,
wie geht es euch?

Hier ist ein neuer Eintrag, auf den ihr sicher schon sehnsüchtig gewartet habt. 🙂

Diesmal schreibe ich über das ESFZ, das Erlanger-Schüler-Forschungszentrum.
Ich mache dort bereits zum zweiten Mal mit.
In diesem ¨Camp¨ widmet man seine Zeit ganztags der Physik: Fünf Tage, eine ganze Woche lang, von neun Uhr früh bis sechs Uhr am Abend.
Es stehen einem dabei sozusagen (fast 😉 ) alle Mittel des Projektpraktikums des Departements Physik der naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni zur Verfügung.

Man kann dort teilnehmen um eigene Projekte umzusetzen, die man vielleicht für Wettbewerbe entwickeln will oder die einen einfach nur so interessieren.
Man kann aber auch beispielsweise eine Seminararbeiten dort schreiben und die entsprechenden Experimente dazu durchführen.

Ich nehme aus reinem Interesse teil und baue dieses Mal eine LED-Lampe. 🙂

Ich fühle mich dort wahnsinnig wohl. Das sei erstmal gesagt.
Alle Schon-Physiker, Bald-Physiker, Promovierenden-Physiker, Doktoren der Physik und die Leitung  (eine Professorin) sind  wahnsinnig nett, offen, umkompliziert, hilfsbereit und tolerant.

Als schönes Beispiel für die ganz aktuell von mir empfundene und erfahrene Hilfsbereitschaft und Toleranz möchte ich euch heute gern folgendes berichten:
In der Mittagspause gehen wir alle, Forschungscampteilnehmer und Betreuer (all die Physiker der Uni, die uns im Camp betreuen) zusammen in die Mensa um dort zu essen. Normal, wie eben alle anderen Studenten auch.
Das heißt aber auch, dass es immer sehr voll ist. 🙁  Nicht gut, für mich… 🙁
Nur, wann immer ich  in dieser Mensa bin, denke ich:¨Einmal und nie wieder!¨
Mir wird ganz fürchterlich heiß und ich verkrampfe zunehmend.
Ich kann mich nicht in der Schlange anstellen um mir mein Essenstablett von der Ausgabe abzuholen.
Es geht einfach nicht.
Dann müsste ich in dieser schrecklichen Menschenschlange anstehen, wo sich alles zu heiß, zu eng, zu bunt, zu laut, zu chaotisch anfühlt. Ich habe das Gefühl, die Orientierung zu verlieren, bekomme Herzrasen und hab das Gefühl, in Panik zu verfallen.
Nein, ich kann mich da nicht anstellen.
Denn an der Ausgabe müsste ich die Ausgabe-Leute ansprechen und ihnen sagen, dass ich zum Beispiel das Fleisch oder die Kartoffeln oder das Gemüse nicht auf dem Teller haben möchte.  UND DAS GEHT GAR NICHT! Ich KANN sie einfach nicht darauf ansprechen. 🙁
Und ich kann auch nicht, mitten in einer Menge stehend, mir ein Schälchen (Salat) von der Ausgabe nehmen. Ich kann es einfach nicht. 🙁

Tja, aus diesen Gründen konnte ich gestern nichts mitessen. Ich habe mich einfach an den Rand zu meinen Leuten an den Tisch gesetzt und ihnen beim Essen zugesehen und versucht, mich zu unterhalten.  Das habe ich dann schon irgendwie geschafft.
Dabei wird sogar das Essen bezahlt… 😉
Gut, allein die Vorstellung, was ich schaffen müsste um an mein Essen zu gelangen, bewirkt, dass ich so gestresst bin, dass ich schon gar keinen Hunger habe. Doch ich muss etwas essen. Also besprach  meine Mutter das Problem gestern mit mir (sie sagt, es sei wichtig, dass ich wenigstens ein wenig esse) und wir suchten zusammen nach machbaren Lösungen für mich. Wir kamen letztlich darauf, dass ich heute mit einem meiner Tutoren sprechen solle, ihm meine Lage ein wenig erkläre, sodass er mir für mich auch ein Essen von der Ausgabe mitnimmt (ein Schälchen Salat) und zusammen mit seinem Essen einfach mit zum Tisch bringt.
Ja und genauso habe ich es gemacht! Ich erklärte meinem Tutor kurz wieso ich ihn darum bitte und er meinte einfach nur ganz freundlich und eben unkompliziert: ¨Ja klar! Kann ich gern machen!¨ 🙂
Später, in der Mensa angekommen, fragte er mich sogar nochmal, welchen Salat ich gerne hätte.  Da hab ich mich sehr gefreut!
Und dass er ein extra Schälchen für mich mitnimmt, störte auch keinen. Am Tisch dann, zusammen mit den anderen Teilnehmern, sagte auch niemand was. Es war einfach so wie es war, es störte schlicht niemanden! 🙂
Das ist für mich sehr angenehm, weil ich nicht gerne auf diese Schwäche angesprochen werde. Dann fühle ich mich immer unwohl. Vor allem wenn ich die Leute nicht kenne.

Die Mensa war für mich das einzige Problem im ESFZ und das hab ich heute gelöst. 🙂 . Kann es nicht immer alles so einfach sein?
Kann ich nicht immer und von allen Menschen so normal behandelt werden?
Das wäre sehr schön! 🙂

Ansonsten fühle ich mich im ESFZ immer sehr wohl. 🙂 Mit all den anderen Physikern, Doktoren, Mastern, Bald-Mastern und sicher dem ein oder anderen Nerd. 😉

Adrian