Das ging mir heute durch den Kopf: Alte Ängste, Dauerängste, Sorgen aber auch Erfolg

Wann immer ich einen Witz vor einer Gruppe mache, wann immer ich etwas sage, wann immer alle Augen auf mich gerichtet sind, kommen Erinnerungen an meine alte Schule hervor, von der ich wegen Mobbings gegangen bin.
Es ist wie ein kurzes aber schmerzhaftes Stechen im Kopf.
Ganz kurz nur. Aber die Unsicherheit hatte Zeit um sich in meinen Kopf zu schleichen.

Als ich am alten Gymnasium war, haben sich meine Mitschüler über mich lustig gemacht, egal was ich getan habe. Ignorieren half nichts und weil von Seiten der Lehrer keine Hilfe kam, musste ich es ertragen.

Ich habe immer überlegt, was Leute damit meinen, wenn sie sagen.¨ Ich kann das nicht. Schon wenn ich es höre, dreht sich mir der Magen um!¨
Jetzt weiß ich es.

Wenn meine jetzigen Klassenkameraden heute mal laut aufstöhnen, wenn ich etwas falsch gemacht habe, wie sie es aber bei jedem machen, spüre ich sofort diesen altbekannten Stich.
Und die Bilder, die Angst und die Unsicherheit sind da.
Die Bilder verschwinden dann schnell wieder denn ich weiß ja vom Kopf her, dass ich nicht mehr im alten Gymnasium bin. Die Angst und die Unsicherheit aber gehen nicht.

Mein Verstand sagt mir, dass das nicht bös gemeint war. Und ich weiß, dass sie das wirklich bei jedem machen. Aber meinem Gefühl kann ich das nicht erklären, weil die Unsicherheit da ist.
Meine Mutter weiß ja darum und hat mir empfohlen, kontraphobisch zu handeln. Also um meine Angst vor etwas zu überwinden, sollte ich genau das tun wovor ich Angst habe.  Und genau das mache ich Tag für Tag. Es hilft schon!
Wann immer ich also etwas sage oder einen Witz erzähle, gehe ich ein Risiko ein. Das Risiko, dass alle lachen oder, wenn mein Witz nicht lustig ist, keiner lacht bzw. man genervt schaut.
Wenn ich mal mit meiner Einschätzung oder Hoffnung daneben lag, ich wäge nämlich vor jeder Handlung immer ab ob ich ein Risiko eingehe oder nicht, dann ist das ein scheußliches Gefühl im Bauch.
Ich fühle dann eine seltsame Leere. Und im Kopf ist dann auch diese Unsicherheit. Außerdem habe ich das Gefühl, alle schauen mich an.
Ich glaube, es trifft es am besten wenn ich sage, dass ich in dem Moment am liebsten im Boden versinken will.
Ich sitze still da und könnte mich ohrfeigen weil ich dies oder jenes jetzt gesagt habe.
Ja und dann beginne ich mein Verhalten zu ändern, wie zum Beispiel den Witz aus dem Sortiment zu nehmen und sage erst mal nichts mehr.
Danach analysiere ich die Situation.
Und im Hinterkopf habe ich immer noch die ganze Zeit den Gedanken:¨ Jetzt hast du es versaut!¨
Es ist eine schon fast panische Angst.

Ich bin mit mir selbst im Zwiespalt. Mein Verstand sagt mir:¨ Kann doch mal passieren!¨ Denn es ist ja so, es ist normal, dass man nicht mit jeder Aussage, mit jedem Kommentar, mit jedem Witz einen Treffer landet. Mein Kopf weiß das.
Aber mein altes Angst-Gefühl, dieser Fiesling, meldet mir, dass jetzt alles vorbei ist.
Und mein Gefühl beeinflusst irgendwie meine Gedanken, meinen Kopf.
Natürlich ist es nach einigen Minutenoder vorbei. Aber dennoch ist sie eben immer noch kurz da: Die alte Angst.
Selbstverständlich lasse ich es mir nicht nehmen, weiterhin einen Witz zu machen. Vor allem nicht wegen so etwas Unlogischem wie Gefühlen.

Aber ich gehe jeden Tag bewusst dieses ¨Risiko¨ ein.
Das kostet aber auch Kraft. Das Überwinden und das Aufbringen der Motivation, jetzt den Mund auf zu machen, jetzt etwas zu sagen und damit alle Augen auf sich zu ziehen… Das kostet Kraft!
Noch mehr Kraft kostet es mich dann wenn ich falsch lag.

Aber ich muss auch sagen das Risiko ist es mir eigentlich schon immer wert. Denn wenn der Witz gut ankommt und jemand lacht oder lächelt dann gibt mir das gewaltig viel Kraft! 🙂 Und Mut. 🙂 Mut, weiterzumachen, Mut, mich weiter einzubringen in eine Gruppe oder in ein Gespräch. Denn das Dazugehörenwollen und das auch zu schaffen, das Ziel hab ich noch nicht aufgegeben.

Ich weiß mittlerweile, dass es wohl vielen Autisten so geht. Dass sie Angst haben, sich zu blamieren.
Ausgelacht zu werden.
Die Angst habe ich auch, immer, bei allem was ich sage: Ein Witz, ein Kommentar, eine Meldung, ein Redebeitrag.

Doch wie gesagt, ich handle einfach kontraphobisch. (Ich find das Wort einfach cool, ich mag es! 😉 )
Und das ¨Risiko¨ ist es mir wert.

Wie geht es euch mit solchen Ängsten?
Traut ihr euch eher in den Mittelpunkt oder vermeidet ihr solche Situationen?

Liebe Grüße!
Adrian

„Die Maus“ hat geantwortet!

Hier ist die Antwort der „Maus“.

Meine Mutter (und ich!) haben ja den WDR aufgrund des Mausbeitrags mit dem autistischen Jungen angeschrieben.
Was haltet ihr nun von der Antwort? Ich weiß nur, dass sehr viele Menschen aufgrund des Beitrags in der Maussendung an die „Maus“ geschrieben haben und dass sie wohl alle genau diese Antwort bekommen haben…
Nun bin ich auf jeden Fall gespannt, ob wirklich mal Autismus zum Thema der Sendung gemacht wird.

Lest selbst:

„…nochmals vielen Dank für Ihre E-Mail und die Anmerkungen zu unserer Abmoderation zur Sendung mit der Maus am 12.01.2014.
Wir können Ihren Unmut über den Zusammenhang zwischen Autismus und einer möglichen Lese- und Rechenschwäche, den wir fälschlicherweise hergestellt haben, verstehen und bedauern sehr, dass durch unsere Formulierung der Eindruck entstanden sein könnte, das Menschen mit Autismus grundsätzlich nicht gut oder gerne lesen oder rechnen können. Das war keineswegs unsere Absicht!
Tatsächlich lag unser Fokus bei unser Moderation nicht darauf, Autismus zu beschreiben, sondern den Mausfan Clemens, der die tollen Mützen gehäkelt und uns zum Geschenk gemacht hatte, mit seinen ganz individuellen Schwächen, vor allem jedoch mit seinen Stärken, vorzustellen. In seinem konkreten Fall hatte uns die Mutter geschrieben, dass Clemens für Lesen etc. nicht zu begeistern ist. Darauf hatte sich Malin bezogen, was in ihrer Moderation leider nicht deutlich wurde.
Schon einige Male haben wir uns im Rahmen von Sachgeschichten mit Behinderungen oder Einschränkungen beschäftigt, mit denen einige unserer Mausfans leben. So haben wir die Geschichte der herzkranken Katharina erzählt, den Alltag von Mausfans gezeigt, die blind oder gehörlos sind, den mehrfach behinderten Sascha besucht, Laura vorgestellt, die lernt, mit ihrer Diabetes umzugehen oder uns mit dem Thema „Zöliakie“ beschäftigt.
Gerne nehmen wir Ihren Brief zum Anlass, darüber nachzudenken, im Rahmen einer Sachgeschichte auch noch einmal damit zu beschäftigen, wie Kinder mit Autismus leben.
Wir danken Ihnen für diese Anregung und die aufmerksame und engagierte Begleitung unserer Sendung und wünschen Ihnen und Ihrem Sohn für die Zukunft wieder gute Unterhaltung bei  den Lach- und Sachgeschichten in der Sendung mit der Maus!

Viele Grüße aus Köln,
das Mausteam“

 

Die „Sendung mit der Maus“ – sie sollte doch eigentlich bilden…?

Ich habe heute seit langem mal wieder die „Sendung mit der Maus“ geschaut.
Und dann kommt ausgerechnet heute ein völlig missglückter Beitrag, der das Thema Autismus berührt. 🙁

In diesem wurde ein Junge mit den Worten, dass er Autist sei und es nicht so mit dem Lesen und Schreiben habe, vorgestellt.

Diese Verknüpfung der Informationen ist äußerst ungünstig, denn so bleibt für die Mehrheit der Fernsehzuschauer als Information übrig und damit auch im Gedächtnis:
¨Autisten haben es nicht so mit dem Lesen und Schreiben¨

Was folgt daraus? Autisten sind dumm?

Ich denke, es ist unbestritten, dass in unserer Gesellschaft die Beherrschung des Lesens und des Schreibens immer noch sehr stark für ein gewisses Maß an Bildung und damit auch Intelligenz stehen.

Ja, sicher hat „die Maussendung“ heute nur diesen einen Autisten gemeint. Aber selbst dann ist diese Aussage, „er hat es nicht so mit dem Lesen und Schreiben“ irgendwie lieblos, demütigend und unschön gegenüber diesem Jungen.

Wie sehr ihr das?
Ich fand diese Aussage jedenfalls schlicht unüberlegt.

Und insgesamt ist diese Botschaft ist nicht nur falsch sondern fatal.
Was denken die Menschen jetzt wieder über uns Autisten? 🙁
Die Menschen da draußen hören doch nicht so genau hin wenn sie Fernsehen schauen. Ich lasse mich jedenfalls gern mal berieseln. Und beim Berieselnlassen blieb heute hängen:
„Die Autisten haben’s nicht so mit dem Lesen und Schreiben“.

Das ärgert mich.

Euch noch einen schönen Sonntag, ohne Ärger!
Adrian

Autismus und Gefühle

Autisten und Gefühle

Für viele Menschen sind das, so habe ich das mitbekommen, zwei unvereinbare Gegensätze, aber ich denke, das stimmt nicht.

Autisten haben sehr wohl Gefühle, es mangelt ihnen oft nur an der Fähigkeit dieselben angemessen und allgemein verständlich zu zeigen.

Oder was auch passieren kann, ist, dass sie im falschen Moment die falschen Gefühle zeigen.
Da mir kein passendes Beispiel aus meinem Leben einfällt, das dies auch gut verdeutlicht, werde ich eine Passage aus dem Buch ¨Schau mich an¨ von John Elder Robison, zitieren:
„Einmal hatte meine Mutter ihre Freundin Betsy zu sich eingeladen. Ich schlenderte herein, als sie auf dem Sofa saßen, Zigaretten rauchten und redeten. Betsy sagte gerade: „Hast du das von Eleanor Parkers Sohn gehört? Am letzten Samstag wurde er von einem Zug überfahren und getötet. Er hat auf den Gleisen gespielt.“ Ich lächelte bei ihren Worten. Mit einem geschockten Gesichtsausdruck fuhr sie mich an: „Findest du das etwa komisch?“ Ich war verlegen und fühlte mich ein wenig gedemütigt. „Nein, das tue ich nicht“, erwiderte ich und verzog mich. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich wusste, sie glaubten, es sei schlecht, wenn ich lächelte, aber ich wusste nicht, warum ich gerade gegrinst hatte, und ich konnte nichts dagegen tun. […].
Als ich hinausging, hörte ich Betsy sagen: „Was ist mit dem Jungen los?‘
Meine Mutter schickte mich zu Therapeuten, die sich alle auf die falschen Dinge konzentrierten. Meist fühlte ich mich danach noch schlechter, als ich es ohnehin schon tat, weil sie auf meinen sogenannten bösen und soziopathischen Gedanken herumritten.[…]. Keiner von ihnen fand heraus, warum ich grinste, als ich hörte, dass Eleanors Kind von einem Zug überfahren worden war.
Aber inzwischen weiß ich es. Ich habe es ganz alleine herausgefunden.
Ich kannte Eleanor eigentlich gar nicht. Und ich hatte ihr Kind nie kennengelernt. Also gab es für mich keinen Grund, weswegen ich Freude oder Kummer empfinden sollte, wenn ihnen etwas passierte. An jenem Sommertag ging mir einfach Folgendes durch den Kopf:
Jemand ist umgekommen.
Mann! Bin ich froh, dass ich nicht umgekommen bin.
Bin ich froh, dass Racker* oder meine Eltern nicht umgekommen sind.
Bin ich froh, das meine ganzen Freunde okay sind.
Das muss ein ziemlich blöder Junge gewesen sein, wenn er auf den Eisenbahngleisen gespielt hat.
Ich würde nie so von einem Zug überfahren werden.
Bin ich froh, dass ich okay bin.
Und am Ende lächelte ich vor Erleichterung. Was auch immer diesen Jungen umgebracht hatte, würde mir nicht passieren. Ich kannte ihn ja nicht mal. Alles würde okay sein, zumindest für mich. Heute würde ich in einer solchen Situation genau das Gleiche empfinden-mit dem Unterschied, dass ich inzwischen meine Mimik besser unter Kontrolle habe.¨
(John Elder Robison: Schau mich an. Fackelträgerverlag. Köln 2008. S. 53-55)

Ich finde, dieser Textausschnitt zeigt sehr gut die Tatsache auf, dass Autisten Gefühle haben.
Sie zeigen und äußern sie nur anders, auf ihre Art. Zeitlich versetzt, ungewohnt, eben anders.
Es spielt natürlich noch ihre Art zu denken eine Rolle.

Das Problem, das viele Autisten haben, ist, wie ich annehme, dass man vielleicht nur ihre extremen Gefühle wahrnimmt.
Die anderen, nicht ganz so starken Gefühle, wie eine alltägliche Freude an etwas oder eine freundschaftliche Zuneigung, dringen bei Autisten oft nicht so stark an die Oberfläche (also sichtbar im Gesicht als Gesichtsausdruck), sodass andere sie als nicht existent wahrnehmen.
Deshalb glauben viele Menschen, Autisten seien kalte Wesen, ohne jegliche Emotionen.

Aber wie gesagt, das ist alles falsch, die Gefühle sind da, nur ein bisschen anders.
Wir haben also Gefühle.
Wir fühlen Gutes, Schlechtes, Liebe, Zuneigung, Zorn, Hass, Wärme, Scham, Loyalität, Treue, alles! Aber wir können es nicht so wie andere Menschen ausdrücken und zeigen. Es gelingt uns einfach nicht.
Warum weiß ich nicht. Dazu fragt bitte die medizinischen und psychologischen Autismusspezialisten!
Aber ich und die anderen, wir haben Gefühle.

Ich habe aber Schwierigkeiten, sie angemessen auszudrücken und zu zeigen.
Wenn ich zum Beispiel denke, dass ich gerade freundlich schaue, haben andere eher den Eindruck, ich schaue streng oder neutral.
Wenn ich denke, ich lache, haben andere eher den Eindruck, ich gucke schief oder komisch.
Wenn ich denke, ich schaue angestrengt, sehen andere eher, dass ich unfreundlich schaue.
Ich habe keine Ahnung, wie ich schauen muss, damit die anderen auch genau das in meinem Gesicht sehen, was ich gerade fühle.
Ich weiß es einfach nicht.
Klingt komisch, ist aber so. 😉

Andersrum erkenne ich bei anderen auch nicht, was sie gerade denken oder fühlen. Entweder ich erkenne im Gesicht der Anderen nichts oder ich deute ihre Gesichtsausdrücke oft falsch.
Ich weiß nicht, warum das so ist. Aber ich weiß, dass es so ist.
Deshalb frage ich schon mal nach, was der andere gerade denkt. Die Menschen in meiner Familie, Freunde und in der Schule wissen das und antworten mir auch immer sehr nett.

Ich habe also Gefühle, sehr viele sogar, weiß aber nicht, wie ich sie zeigen soll, sodass andere sie wirklich verstehen und richtig wahrnehmen können.
Und ich erkenne Gefühle bei anderen nicht, dafür frage ich aber nach.

Das ist alles ein bisschen umständlich aber es geht eben nicht anders.
Wichtig ist nur, dass die Nichtautisten darum wissen. Denke ich.

Der Grund, weshalb ich diesen Eintrag schreibe, besteht nun darin, dass ich gerade das Gefühl habe 😉 , dass Autisten oder „der Autismus an sich“ immer öfter die Sündenböcke für alles mögliche sind. Ein Beispiel dafür ist der Amoklauf, der in den USA passiert ist. Nach ein paar Tagen kamen erste Artikel, in denen stand, dass der Amokläufer ein Autist war und er aufgrund seines Krankheitsbildes so ausgerastet ist.

Das ist medizinischer und psychologischer Unfug.
Das ist falsch.

Solche Artikel und Einträge sorgen aber dafür, dass man uns Autisten noch mehr ausgrenzt oder ärgert, weil die Angst steigt, dass wir ja so gefährlich oder so kalt und eben gefühllos seien.
Und das ist schlimm. Und es ärgert mich.
Und auch diesen Schmerz und diese Angst vor weiterer Schikane und Ausgrenzung fühlen wir. Das fühlt sich dann wie Angst an.
Und es macht uns noch hilfloser als wir uns ohnehin schon fühlen.

Man darf, wie ich finde, nur in wirklich begründeten und fachlich untersuchten und geprüften Fällen eine angeborene Behinderung als Tatgrund verwenden. Und das können nur Fachleute.

Alles andere ist falsch.

Bitte, wenn ihr hört, dass ein Autist oder die Autisten allgemein als gefühllos beschrieben werden, klärt es auf! Sagt, dass Autisten sehr wohl Gefühle haben. Sagt ihnen, dass sie sie nur anders als gewohnt zeigen.

Aber sie fühlen – und wie!

Adrian

Es geht wieder los!

Die Schule hat wieder begonnen und für mich damit der gewohte Alltag.
Jetzt fühle ich mich wieder richtig wohl denn die Schule gibt mir eine schöne und sehr angenehme Struktur.
Natürlich habe ich mitunter auch etwas Stress wie zum Beispiel durch die Schulaufgaben und andere Leistungsnachweise aber ich habe insgesamt doch einen Halt, eine Ordnung, die mir Kraft gibt.
Jedenfalls komme ich langsam wieder rein, in den Schulalltag. Die ersten Leistungserhebungen sind geschrieben und ich habe erste Einsen kassiert. 😉

Das einzige, was ich noch nicht geschafft habe, ist, mich wieder vollständig in die Klasse einzubringen.
Wie kann man sich das vorstellen? Zum Beispiel erscheint es mir an manchen Tagen wie eine unüberwindliche Hürde, andere, also meine Klassenkameraden, ohne Grund anzusprechen, einen der Situation angepassten Witz zu machen oder mich einfach mal so zu anderen zu stellen und mit zu plaudern.
Das habe ich in sechs Wochen Ferien irgendwie wieder ein bisschen „verlernt“. Es wird nun schon eine gewisse Zeit lang dauern bis ich es geschafft habe, mit einem etwas mutigeren, „cooleren“ Gefühl, solche Situationen zu bewältigen – und Spaß dabei zu haben!
Ich habe es dieses Jahr aber einfacher, weil ich das Gefühl habe, dass die anderen mich wirklich immer mehr mögen. Ich glaube auch, dass sie versuchen mir zu helfen, mich wieder in die Klasse einzubringen. Und das ist für mich eine zusätzliche Motivation.
So sprechen mich die Jungs eh oft an, fragen gezielt nach bestimmten Dingen, grüßen mich immer sehr nett und zwar ohne, dass ich zuerst grüßen müsste.
Gut, ich muss auch sagen, dass sich auch zumeist mit fachlichen Fragen an mich gewandt wird. Aber auch hier wollen meine Klassenkameraden wirklich meine Meinung, meine Ansicht zu bestimmten Dingen, wissen und das freut mich.

Als ich vor drei Jahren an diese Schule kam, wollte ich einfach nur meine Ruhe haben: ‚Die sprechen mich nicht an und ich sie nicht!‘ Das war eben auch eindeutig meinen schlimmen Vorerfahrungen geschuldet.
Diese Einstellung jedoch war nach der siebentägigen Skifreizeit in der siebten Klasse nahezu verschwunden und ich wollte ab diesem Zeitpunkt gern dazugehören.
Dafür trainierte ich daheim Dialoge, Witze, übte Deutungen, Interpretationen und Smalltalk. Gut, das trainiere ich auch heute noch. 😉 Warum zum Beispiel ist derselbe Witz in der einen Situation total lustig für die Menschen und in der anderen Situation lacht über denselben Witz niemand? Das versteh ich einfach nicht.
Ich bin auch dem Geheimnis des Zusammenstehens in Plaudergruppen noch nicht wirklich näher gekommen. Alles, worüber die Jungs (und manchmal auch Mädels) dann quatschen und lachen, das versteh ich vom Sinn her nicht: Es hat für mich einfach keinerlei Sinn. Ich finde dabei nichts komisch oder zum Lachen.
Aber solche Plaudergruppen sind irgendwie wichtig um „dazuzugehören“, so mein Eindruck.
Naja, ich stelle mich meist zu einer solchen Gruppe dazu und höre zu und beobachte. Und ich werde von den anderen immer öfter mit einbezogen ins Gespräch. Gut, ich gebe dann leider irgendwie immer solche Antworten, die jedes weitere Geplaudere im Keim abwürgen 😉 aber ich übe ja noch… 🙂

Insgesamt habe ich schon das Gefühl: Ich habe es geschafft dazuzugehören.

Bei diesem Prozess ist es schon auch passiert, dass ich ab und an wieder ein bisschen zurückgeworfen wurde aber das gehört vielleicht zum Leben dazu:
In gemischter Erinnerung ist mir in dem Zusammenhang noch der Klassenwechsel von der siebten zu achten Klasse:
Ich wurde aufgrund der Zweigwahl mit neuen Kindern zusammen gewürfelt. Ich habe noch deutlich die Kennlernfreizeit am Anfang der achten vor Augen… Denn die war eine Katastrophe, zumindest am Anfang.
Am ersten Tag wurde ich aufgrund meines zurückgezogenen und manchmal auch eigentümlichen Verhaltens provoziert (ich wollte als Lagerfeuer mein eigenes kleines Feuer haben), bis ich schließlich zusammenbrach.
Es wurden dann schon gleich mal alle Kinder über mich und Autismus aufgeklärt. Trotzdem hat dieses Ereignis mich zurückgeworfen.
Ich fing also gefühlt von vorne an mit meiner „Selbstintegrationsarbeit“.
Doch mein Fachwissen, meine Freundlichkeit und meine Ehrlichkeit haben aber letztlich, wie ich glaube, bewirkt, dass man mein „komisches“ Verhalten vergessen hat oder als zwar gegeben aber „nicht weiter tragisch“ hinnimmt und sonst eher mein derzeitiges „Ich“ sieht.
Zudem war ich eine sehr lange Zeit in Einzel-Therapie und habe dort, was mein soziales Verhalten angeht, einen riesigen Schritt nach vorn gemacht.
Und große Schritte mache ich seitdem dauernd. 🙂
Doch trotzdem bin ich immer noch nicht soweit, dass ich mit den anderen mithalten könnte, was zum Beispiel die oben schon beschriebene Art der Interaktion in der Gruppe betrifft.
Aber ich ahne ein bisschen, dass ich es wohl nie so ganz schaffen werde, „normal“ zu sein.
Aber das muss ich vielleicht auch nicht.
Denn ich denke mittlerweile, dass es reicht, wenn ich mich ein gewisses Maß anpasse und hoffe, dass man mich dann so akzeptiert wie ich bin.
Und das ist in meiner Klasse zum Glück kein Problem. Ich bin beliebt und man redet mit mir. Das ist das, was ich erreicht habe und was ich brauche und auf dem aufbauend schaffe ich es sicher auch bald wieder Witze zu machen, die alle vom Sockel hauen. 😉
Adrian

Hallo zusammen!
Tja, eigentlich hatte ich ja heute vor, einen neuen Eintrag in meinen Blog zu schreiben. Aber meine Mutter und mein Bruder hatten netterweise spontan die gute Idee, unseren Keller auf- und umzuräumen… Und weil ich nunmal der Größte und Stärkste in der Familie bin, 😉 heißt es für mich Mitanpacken. Aber keine Bange, der nächste Eintrag wird kommen.

Adrian

Mein himmlischer Fensterblick

Wolkenhimmel

Hi,

hier ist ein Bild, das ich von meinem Fenster aus gemacht habe.

Mich lädt der Himmel, auf Bildern und in der Realität, immer zum Träumen ein. Wenn ich das Bild sehe, spüre ich richtig den Wind im Gesicht und damit einhergehend kommt ein Gefühl von Freiheit und Ruhe. Diese Gefühle verspüre ich wann immer ich Wolken betrachte oder auch nur eine Weile in den Himmel schaue.

Für mich sind Wolken auch ein wichtiger Entspannungsfaktor. Manchmal lege ich mich auf mein Sofa oder auf den Boden und schaue in den Himmel. Nichts ist erholsamer für mich. Denn die Wolken ziehen einfach, angetrieben durch den Wind. Sie liegen gleichmäßig auf ihrer Luftschicht. Sie sind da und ziehen dahin und ich muss nichts dafür tun. Sie ziehen konstant und strahlen dabei eine unglaubliche Ruhe aus. Diese Ruhe und das gleichmäßige Fliegen sorgen dafür, dass ich mich entspannen kann.

Was fühlt ihr, wenn ihr den Himmel betrachtet? Ich bin sehr gespannt.

Adrian

Warum es diesen Blog gibt

Ich habe diesen Blog erstellt, um – zum einen – meine Geschichten zu veröffentlichen, als auch um Erlebnisse mitzuteilen, aus denen andere vielleicht etwas lernen können oder die sie einfach bloß unterhalten. Ihr dürft gern kommentieren. Für gute Rückmeldungen bin ich immer dankbar. Denn ohne sie kann ich weniger lernen oder verbessern.

Bei den Erlebnissen könnt ihr auch euren Senf dazugeben und eure Erfahrungen schildern. Das wird dann sicher sehr interessant.

Adrian